2. Meisterkonzert 2026 "Kammermusikabend"
Kammermusikabend
Sam Lucas – Violoncello
Paulius Andersson - Klavier
Programm:
Paul Hindemith (1895 – 1963)
Fantasiestück op. 8 Nr. 2
Edvard Grieg (1843 – 1907)
Sonate für Violoncello und Klavier a-moll op. 36
• Allegro agitato
• Andante molto tranquillo
• Allegro molto e marcato
***
Robert Schumann (1810 – 1856)
Fantasiestücke op. 73
Sergei Rachmaninow (1873 – 1943)
Sonate für Violoncello und Klavier g-moll op. 19
• Lento – Allegro moderato
• Allegro scherzando
• Andante
• Allegro mosso
Werkbeschreibungen:
Paul Hindemith (1895 – 1963)
Fantasiestück op. 8 Nr. 2
Paul Hindemiths Fantasiestück in H-Dur aus Opus 8 gehört zu den frühen kammermusikalischen Werken des Komponisten und entfaltet in vergleichsweiser kurzer Form überraschende Weite und Ausdruckstiefe. In der Musik verbinden sich lyrische Melodien mit impulsiven, teils improvisatorisch wirkenden Momenten, die eine Stimmung von Fragestellung und künstlerischer Suche erzeugen. Die Solostimme des Violoncellos geht in diesem Stück eine enge Beziehung mit der Klavierbegleitung ein: mal ist sie von zarten Harmonien umfangen, mal setzt sie sich mit energischen Phrasen durch, ohne dabei je an Stimmigkeit zu verlieren.
Hindemith zeigt in dieser frühen Komposition bereits seine Neigung, traditionelle Ausdrucksformen mit persönlicher Klangsprache zu verbinden, und spielt mit Erwartungen, indem er melodische Ruhe und rhythmische Spannung elegant austariert. Das Werk entfaltet so eine poetische Qualität, die zwischen kontemplativer Ruhe und lebendiger Bewegung oszilliert, und eröffnet einen hörbaren Einblick in die musikalische Perspektive eines Komponisten, der später zu einem der einflussreichsten Stimmen des 20. Jahrhunderts werden sollte.
Edvard Grieg (1843 – 1907)
Sonate für Violoncello und Klavier a-moll op. 36
In Edvard Griegs Sonate für Violoncello und Klavier in a-moll op. 36 vereinen sich tiefe Empfindung und kraftvolle Musiksprache zu einer eindrucksvollen kammermusikalischen Erzählung. Der erste Satz entfaltet mit seinem Allegro agitato eine gespannte Ausdruckskraft, in der das Cellospiel und die Klavierbegleitung in dialogischer Energie stehen, als würden zwei Stimmen ein inneres Gespräch führen. Der Mittelteil, Andante molto tranquillo, öffnet einen Moment der Einkehr und lyrischen Ruhe, in welchem langgezogene, gesangliche Linien sich mit warmen Harmonien verbinden und eine poetische Stimmung tragen. Der Schluss, Allegro molto e marcato, bringt wieder lebhafte Bewegung und rhythmische Klarheit; hier verschmilzt Dramatik mit einer tänzerischen Vitalität, die das Werk mit hoher Gestimmtheit ausklingen lässt. In seiner Dreisätzigkeit vereint diese Sonate Charaktertiefe und formale Eleganz, indem sie den klanglichen Reichtum der beiden Instrumente zu einem musikalisch geschlossenen Erlebnis führt.
Robert Schumann (1810 – 1856)
Fantasiestücke op. 73
Schumanns Fantasiestücke op. 73 entfalten eine besondere Sehnsucht nach unmittelbarem Ausdruck in kammermusikalischer Gestalt. Ursprünglich für Klarinette und Klavier gedacht, lässt sich diese Sammlung ebenso wirkungsvoll im Duo mit Violoncello und Klavier erleben, in dem die melodische Stimme des Soloinstruments mit dem Klavier in enger, nuancenreicher Verbindung steht. Die drei Teile fließen ohne sichtbare Unterbrechung ineinander und zeichnen ein buntes Stimmungsbild: der erste Abschnitt eröffnet mit zarter, innerlich bewegter Sprache, in der Melancholie und Ausdrucksreichtum sich gegenseitig umspielen. Es folgt ein lebhafter, leichter Gedanke, der mit spielerischer Wendigkeit und klarer Linienführung dem Hörer eine heitere Perspektive schenkt. Der Schlussabschnitt steigert sich zu leidenschaftlicher Energie; rhythmische Bewegtheit und impulsive Gestik führen die Musik zu einem lebendigen und zugleich kraftvollen Ende. In ihrer Gesamtwirkung verbinden diese Fantasiestücke lyrische Wärme mit rhythmischer Lebendigkeit und zeigen Schumanns Gabe, tiefe Empfindung und fantasievolle Erfindungskräfte zu verschmelzen.
Sergei Rachmaninow (1873 – 1943)
Sonate für Violoncello und Klavier g-moll op. 19
Rachmaninows Sonate für Violoncello und Klavier in g-moll op. 19 entfaltet die reichen Ausdrucksmöglichkeiten beider Instrumente in vier zusammenhängenden Bewegungen, die von lyrischer Weite bis zu rhythmischer Lebendigkeit reichen. Der Beginn verbindet eine ruhige Eröffnung mit einem anschließenden Allegro moderato, in dem die Themen ausgedehnt und in gegenseitiger Nähe erkundet werden, als würden zwei Stimmen ein intensives Gespräch führen. Im zweiten Satz tritt ein scherzantes Element hervor, das durch lebhafte Figurengestaltung und rhythmische Wendungen eine gewisse Verspieltheit in den Vordergrund rückt. Der dritte Teil öffnet sich zu einem Andante mit gesanglicher Melodik, in dem lange, ausdrucksvolle Linien dem Cello eine fast vokale Geste verleihen und eine meditative Ruhe schaffen. Das abschließende Allegro mosso bringt wieder gesteigerte Bewegung und konzentrierte Energie; hier verflechten sich Impulse von Dramatik und Leichtigkeit zu einem kraftvollen Schluss. In seiner Gesamtwirkung verbindet diese Sonate romantische Klangtiefe mit kammermusikalischer Dialogfreude und zeigt Rachmaninows Gabe, emotionale Intensität und formale Klarheit zu vereinen.
Biografie Paulius AnderssonPaulius Andersson, Artist-in-Residence der Drozdoff Society, ist ein litauisch-dänischer Konzertpianist, der mehr als 16 internationale Wettbewerbe in ganz Europa gewonnen hat und seit seinem Umzug ins internationale Konzertleben weltweit Anerkennung genießt. Seit seinem fünften Lebensjahr tritt er regelmäßig auf und konzertierte in Europa, Japan, Indonesien und den USA; mit elf Jahren gab er sein Orchesterdebüt mit dem St. Christopher Chamber Orchestra unter der Leitung von D. Katkus mit Mozarts Klavierkonzert in D-Dur.
Seine Ausbildung führte ihn von der Litauischen Akademie für Musik und Theater (Bachelor, 2018 bei Prof. Z. Ibelhauptas) über ein mit Auszeichnung abgeschlossenes Masterstudium an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf (2021 bei Prof. Paolo Giacometti) zum Artist Diploma an der Frost School of Music der University of Miami bei Kevin Kenner, wo er auch als Graduate Teaching Assistant tätig war. Seit 2025 studiert er an der IMEP School of Music bei Philippe Raskin; zudem wird er von Geoffrey Douglas Madge betreut und erhielt Unterricht bei Arcadi Volodos.
Er ist international in bedeutenden Konzertsälen in ganz Europa aufgetreten und wird regelmäßig zu renommierten Festivals eingeladen (u. a. Gradus Piano Festival, Pažaislis, Bistrampolis, Christopher Festival, M. K. Čiurlionis Musikfestival). Bereits 2005 repräsentierte er die litauische Kultur in Japan, 2012 gab er sein Debüt-Recital in Washington, D.C.
Zu seinen Wettbewerbserfolgen zählen Preise bei internationalen Wettbewerben wie „Konzerteum“ in Athen, „Musica Classica“ in Moskau, Wettbewerben in Paris und St. Petersburg sowie der 2. Preis beim S. Rachmaninow Klavierwettbewerb in Moskau und ein Preis beim Neapolitan Masters Wettbewerb. Zuletzt gewann er 2025 den 2. Preis beim Lyon Piano Competition sowie den 1. Preis und Publikumspreis beim MoZarte Competition.
Er tritt regelmäßig mit seiner Ehefrau, der Geigerin Julija Andersson, auf; als Duo wurden sie mit dem 1. Preis beim Pinerolo Kammermusikwettbewerb sowie dem Preis für die beste Brahms-Interpretation ausgezeichnet.
Neben seiner Konzerttätigkeit nahm er 2021 Medtners 3. Klavierkonzert mit dem Litauischen Nationalen Philharmonieorchester auf, spielte 2019 im Kölner Funkhaus (WDR) Kammermusik von Beethoven und veröffentlichte 2017 seine Debüt-CD mit Werken von Beethoven, Chopin, Schubert, Vitols und Ravel. Paulius ist besonders für seine Interpretationen großer virtuoser Werke sowie für seine Spezialisierung auf weniger bekannte Kompositionen bekannt und wird regelmäßig zu Konzerten nach Polen, in die Slowakei und in die Ukraine eingeladen.
Er wird von mehreren Stiftungen gefördert, darunter die Mstislav Rostropovich Foundation, die Kauko Sorjonen Foundation, die Podkarpacka Stiftung für Kulturentwicklung, die V. Spivakov Foundation sowie die Stiftung „Gerasis Ruonis“, und erhielt zuletzt das prestigeträchtige Stipendium des Präsidenten der Republik Litauen, Antanas Smetona.
Biografie Sam LucasSam Lucas ist derzeit Solocellist des Staatsorchesters Rheinische Philharmonie. Der in Australien geborene Musiker hat seit seinem Umzug nach Europa im Jahr 2017 internationale Anerkennung erlangt. Sam ist gleichermaßen als Solist, Kammermusiker und Orchesterleiter tätig und arbeitet mit renommierten Künstlern wie Ani Ter-Martirosyan, Anna Fedorova, Konstantin Shamray, Evgeny Uhanov, Evgeny Genchev, Dorel Golan, Jan Vogler, Jens Peter Maintz, Victor Julien-Laferrière, Bruno Philippe und Mischa Maisky zusammen.
Seine Ausbildung begann Sam bei dem Solocellisten des Queensland Symphony Orchestra, und bereits als Teenager nahm er an Meisterkursen bei David Geringas, Pieter Wispelwey und Li Wei Qin beim Adelaide International Cello Festival teil. Im Alter von fünfzehn Jahren hatte er bereits Preise beim Australian Concerto and Vocal Competition, beim Royal Overseas League Chamber Competition sowie beim Gisborne International and National Concerto Competition in Neuseeland gewonnen.
Er ist international in bedeutenden Konzertsälen aufgetreten, darunter im Kulturpalast und in der Nationalen Musikschule in Sofia, in St Martin-in-the-Fields in London, beim Edinburgh Fringe Festival sowie in der Wigmore Hall in London (2016 und erneut 2025). Im Jahr 2015 wurde er eingeladen, für den Duke und die Duchess of Cambridge zu spielen. 2025 war Sam Gastkünstler bei der Holocaust-Gedenkveranstaltung im Europäischen Parlament, eine Aufführung, die weltweit Millionen von Menschen erreichte.
Zu Sams Wettbewerbserfolgen zählen erste Preise beim Sieghardt-Rometsch-Wettbewerb (2018), beim Pro Artists International Music Competition (2019), beim Anton Rubinstein International Cello Competition (2020) und beim Gustav Mahler International Cello Competition (2021) sowie eine Goldmedaille beim Vienna International Music Competition und ein zweiter Preis beim Gisborne International Music Competition. Zudem veröffentlichte er 2019 seine Debüt-CD mit dem Cellokonzert von Elgar zusammen mit dem Orchester der Robert Schumann Hochschule.
Er war außerdem Teilnehmer sowohl beim Tschaikowsky Internationalen Cello-Wettbewerb als auch beim Queen Elisabeth Internationalen Cello-Wettbewerb, was seinen Ruf als einer der führenden jungen Cellisten der Welt weiter festigte.
In der Saison 2025 trat Sam als Solist mit dem London Sinfonia Smith Square Orchestra sowohl in Anghiari (Italien) als auch in London auf. Frühere Soloengagements umfassen Auftritte mit dem Universitätsorchester Bonn, dem Oberbergischen Kreis-Sinfonieorchester, dem Philharmonischen Orchester Hagen, dem Ruhrstadt-Sinfonieorchester und der Kölner Sinfonietta sowie Kammermusikauftritte im Beethoven-Haus Bonn und in der Konzertreihe „Best of NRW“.
Sam spielt ein Cello von Carlo Tononi aus dem Jahr 1720 sowie ein Cello von Nicolo Gagliano aus dem 17. Jahrhundert.